Polen: Innerhalb von ein paar Jahren kann sich eine Menge ändern

JOHAN DEN HARTOG
Managing Director, GMP+ International

Zur Vorbereitung eines Seminars von GMP+ International in diesem Herbst bin ich vor kurzem nach Polen gereist. Es war nicht mein erster Besuch, denn ich war schon viele Male in diesem Land. Und im Laufe der Jahre habe ich gesehen, wie das polnische Engagement für Futtermittelsicherheit gewachsen ist. Während meiner Reise wurde mir jedoch auch klar, dass Polen wirklich in einer neuen Phase gelandet ist: Futtermittelsicherheit wird dort zu einem Kernwert.

Das ist nicht einfach so passiert. Es war nicht immer einfach, dafür zu sorgen, dass sich die polnische Futtermittelindustrie der Futtermittelsicherheit verschrieb. Und das sollte auch niemanden überraschen. Ein kultureller oder wirtschaftliche Wandel ist immer schwierig, egal in welchem Land er stattfindet. Und vielleicht ist das ja auch gut so. Denn Sachen, die sich einfach gestalten, werden meist weniger geschätzt als Sachen, für die man kämpfen muss.

Wenig Interesse
Ich besuchte Polen zum ersten Mal im Jahr 2008. Ich weiß noch, dass das Bewusstsein für Futtermittelsicherheit damals recht niedrig war und nur ein geringes Interesse an der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen bestand. GMP+-Seminare und -Treffen wurden schlecht besucht. Als unser feed safety scheme in dem Land etwas an Terrain gewann, beschränkte sich die Teilnahme vor allem auf Unternehmen im Bereich der Herstellung, des Vertriebs und des Transports von Einzelfuttermitteln - und dann vor allem, um den Anforderungen ausländischer Kunden gerecht zu werden. Sogar als die Zahl der polnischen zertifizierten Unternehmen anstieg, schien es kaum einen inneren Antrieb (Nachfrage aus dem Inland) für die Futtermittelsicherheit zu geben.

Mit gutem Beispiel voran
Innerhalb von ein paar Jahren kann sich viel ändern. In den vergangenen Jahren hat der inländische Agrarmarkt (vor allem Geflügel und Milchvieh) seine Futtermittellieferanten zusehends mehr dazu ermuntert, sich nach GMP+ FSA zertifizieren zu lassen. Es sind nicht mehr länger die Unternehmen aus dem Ausland, die Anforderungen stellen, sondern polnische Unternehmen gehen mit gutem Beispiel voran. Und es handelt sich nicht mehr länger nur um Transport- oder Handelsunternehmen, die ein GMP+-Zertifikat beantragen, sondern auch Vormischungs- und Mischfuttermittelhersteller melden sich massenhaft an. Heute sind nahezu 80 Prozent der polnischen Mischfutterindustrie nach GMP+ FSA zertifiziert. Dieses neue Engagement für Futtermittelsicherheit war während unseres letzten Besuchs denn auch überall spürbar. Ich hörte, wie Unternehmen stolz über die Bedeutsamkeit ihres Zertifikats erzählten, und empfand es als sehr ermutigend, zu sehen, dass Unternehmen bereit sind, zusammenzuarbeiten. Manche der Anwesenden hatten sogar eine 5-stündige Fahrtzeit dafür übrig, um uns besuchen zu können. Im Jahr 2008 konnten wir kaum Interessenten finden. Nun war man bereit, stundenlang zu fahren, um uns aufzusuchen. Wandel kostet also Zeit und Anstrengungen. Wenn man ihn jedoch einmal bewirkt hat, wird man mit einem umso besseren Gefühl belohnt. 



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